„Ballermann“ Mallorca: Saufen, singen, sündigen

Es ist irgendwie primitiv, kleingeistig und niveaulos, wenn man sieht, wie am Ballermann auf Mallorca von den meisten Gästen gefeiert wird. Da geht es nur ums Saufen, Singen und Sündigen, da werden primitive Malle-Hits gegrölt und manch einer ist in der 2-wöchigen Urlaubszeit so stark besoffen und zugedröhnt, wie sonst nur im ganzen Jahr in der bürgerlich-langweiligen Heimat. Rudel-Bumms und anbaggern, wenig Schlaf und viel Alkohol, Sonnenbäder meist ohne Sonnencreme und widerliche Entgleisungen aller Art sind die Synonyme für Partyurlaub auf der Balearen-Insel. Fürchterlich für Leute mit Niveau und Anspruch, paradiesisch für viele, die es im Leben nicht so gut angetroffen haben oder die ganz viel vergessen oder verdrängen müssen, oder die meinen, Sauf-Tourismus wäre Kult. Dazu werden Malle-Hits zum Mitbrüllen produziert, die es mittlerweile in die deutschen Hitparaden geschafft haben, weil „primitiv offenbar King ist“ und nach der Pandemie die Leute sich ein Recht aufs Abfeiern wünschen.

Stimmungslieder ohne Sinn und Verstand, Schwachsinns-Texte vom Allergemeinsten, dazu viel Alkohol und leichte Drogen sind die Zutaten der klassischen Ballermann-Urlaube. Hauptsächlich jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren reisen alljährlich nach Mallorca, um zu feiern. Dass die meisten danach eigentlich Urlaub vom Urlaub brauchen, um sich zu regenerieren, steht auf einem anderen Blatt. Wie es heißt, nehmen die Menschen die „gute-Laune-Songs“ der Insel mit zurück nach Deutschland, um die Erinnerung an die Ferien hoch zu halten. Deshalb dominieren die Lieder von der Insel auch derzeit die Hitparade in Deutschland. Dort, wo eigentlich seriöser Titel geträllert werden, wo man Texte und Melodien mit minimalem Tiefgang abspielt, werden mittlerweile auch Mallorca-Hits gelistet, deren Text-Niveau und Qualitätsanspruch noch unter der untersten Schublade zu finden sind. Stimmungs-Hits, die dokumentieren, dass Oberflächlichkeit und Idioten-Lyrik den meisten genügend Entertainment bieten, dass sie dafür sogar Geld ausgeben, wenn sie längst den spanischen Sünden-Pfuhl wieder verlassen haben. Wen wunderts, dass der Titel „Layla“ das erfolgreichste deutschsprachige Lied seit 2017 ist, und seine Macher reich und berühmt macht. Eine Berühmtheit, auf die viele von uns verzichten könnten, wenn es nicht auch um viel Geld ginge.

Wie Wikipedia es ausdrückt: „Der Begriff Ballermann (seit 2004 im Duden) steht außerdem für eine Gegend mit Alkohol- und Partytourismus, der in Palma insbesondere auf der „Schinkenstraße“ und in Lokalen wie Mega-Park, Bierkönig und Oberbayern (umgangssprachlich „am Ballermann“) gepflegt wird.“ Und so steht Ballermann eben auch für das oftmals schlechte Benehmen deutscher Sauf-Touristen, die den Spaniern seit langem ein Dorn im Auge sind, und deren unerfreuliches Treiben mit harten Gesetzen sanktioniert werden soll. Wie die Online-Zeitung Merkur.de im Juli vermeldet hat, wird das sogenannte „Anti-Sauftourismus-Gesetz“ der Balearen-Regierung nun vollzogen: Insgesamt acht Lokale werden wegen Verstößen gegen die neuen Regelungen jetzt geschlossen. Da, wo die Betreiber ausschließlich Geld machen wollten und die neuen Gesetze mit Füßen getreten haben. Gesetze, die verbieten, dass Sangria aus Eimern mit langen Strohhalmen getrunken wird oder Besoffene mit freiem Oberkörper über die Playa de Palma wanken. Auch das Nächtigem an den langen Stränden am Ballermann ist verboten. Plus all die Dinge, die im Suff schamlos in der Öffentlichkeit praktiziert werden und zur Belustigung der grölenden Massen hergehalten haben. Der Ballermann und El Arenal, die Gegend rund um Palma, wird immer den Ruf der billigen und primitiven Unterhaltung und der drittklassigen Gastronomiebetriebe behalten. Da können auch keine Gesetze etwas dran ändern. Dass Ballermann-Urlaub ein Muss ist und unbedingt dazu gehört, sagen wohl nur diejenigen, die tatsächlich auch mal 2 Wochen auf Durchzug schalten können oder generell schmerzfrei genug sind, um diesen Irrsinn freiwillig mitzumachen. Wem’s gefällt…