Die Renaissance des VW-Bulli – eine elektrische Wiedergeburt

Erst vor Kurzem stellte Volkswagen den elektrischen ID Buzz vor. Anwesend bei der Präsentation war nur ein kleines Publikum, darunter Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. VW erhofft sich von dem neuen Modell die Wiedergeburt der Auto-Legende. Die elektrische Variante soll eine Pionierposition sichern und das nächste große VW-Projekt werden.

In einer restaurierten Hafenhalle stellte Volkswagen-Chef Herbert Diess die Neuauflage des VW Bulli von 1950 vor. Die Präsentation wurde dabei schon vor dem Kriegsausbruch in der Ukraine aufgenommen. Stephan Weil, der bei der Präsentation anwesend war, bezeichnete den neuen Bulli als „technologischen Quantensprung“ und präsentierte die Auflage von 1950 als ikonisches Fahrzeug seiner Kindheit. Auch für Herbert Diess war die Präsentation emotional: „Das Auto ist wahrscheinlich eines der meistgeliebten Autos der Welt“, sagte er. Doch nicht nur für Diess und Weil ist der Bulli mit einer Wichtigkeit behaftet. Für VW könnte das die Wiedergeburt eines der wichtigsten Produkte des Jahres werden. Eine Reihe von Innovationen finden hier erstmalig Platz. Diese sollen später auch Standard bei anderen elektrischen Autos der Wolfsburger Ingenieure werden. Der ID Buzz ist eine Verkörperung vom Fortschritt der Elektromobilität und soll Kundengruppen zum Abschied von Verbrennungsmotoren bewegen.

ID Buzz für Gewerbekunden

Die Neuauflage soll dieselben Basis-Komponenten wie andere Elektromodelle verbauen – den sogenannten Modularen Elektrifizierung-Baukasten. Der Heckmotor wird 150 Kilowatt Leistung erbringen und findet sich genau wie die 77-Kilowattstunden-Batterie im VW ID.4 wieder. Zum Start der neuen Reihe wird die 4,70 Meter lange Variante mit fünf Sitzen angeboten, im kommenden Jahr soll die 30 Zentimeter längere ID Buzz Version folgen. Im September werden die ersten Bestellungen des Fahrzeugs in Deutschland ausgeliefert werden. Volkswagen setzt darauf, dass besonders Handwerker mit dem neuen ID Buzz angesprochen werden. Obwohl er erheblich kürzer als der aktuelle VW-Transporter ist, passen in die Neuauflage des Bullis zwei Europaletten hintereinander. Für handwerkliche Unternehmen, die sich zur Verminderung eigener Treibhausgase verpflichten wollen, wäre der neue ID Buzz eine Möglichkeit dazu. Das Volkswagen-Marketingteam spekuliert also darauf, dass die Nachfrage der Gewerbekunden höher sein wird als die der Privatperson. Zwar dürfte es weniger Freude bereiten den Bulli in engen Parkhäusern zu fahren, doch der Elektroantrieb braucht erheblich weniger Platz als ein Verbrennungsmotor. So wird Platz gespart und der Innenraum bleibt geräumig und großzügig – genau wie beim Bulli aus dem Jahr 1950.

Assistenzsysteme und autonomes Fahren

Künftig soll der ID Buzz seinen Fahrern beim Einparken behilflich sein. VWs hauseigenes „trainiertes Parken“ ermöglicht es, das Fahrzeug automatisch ein- und auszuparken. Über die sogenannten Over-the-Air-Updates soll die Software des ID Buzz immer auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Bereits in München und Hamburg testete VW den Wagen auf das autonome Fahren. Mitte des Jahrzehnts soll dann ein Konzerneigener Mitfahrdienst namens „Moia“ den Bulli als Robotaxi in Betrieb nehmen. Vor allem mit dem neuen bidirektionalen Laden wirbt VW in der Präsentation. Die Technologie ermöglicht es mithilfe der Batterie, geladene Energie auch wieder abzugeben. So könnte man beispielsweise überschüssigen Strom aus einer Photovoltaik-Anlage speichern und abends wieder ans Haus abgeben. Zusätzlich verbaute das Ingenieurteam eine gewöhnliche Steckdose im Fahrzeug. So können Handwerker auf der Baustelle ihre Maschinen speisen – unabhängig von einer lokalen Stromzufuhr. Trotz der vielen Einsatzmöglichkeiten des ID Buzz sind die Planzahlen bescheiden. Sofern es genug Bauteile gibt, wird die Fabrik der Konzerntochter VW Nutzfahrzeuge in Hannover, dieses Jahr noch 12.500 Fahrzeuge fertigen. Für das kommende Jahr peilt die Firma dann 50.000 bis 60.000 E-Bullis an. Weil und Diess hoffen darauf, künftig noch sehr viel mehr Neuauflagen zu verkaufen. Dem Ministerpräsidenten geht es bei der Fertigung des ID Buzz aber vor allem um den Ort der Fertigung: Hannover-Stöcken. Dass der Wagen dort hergestellt wird, war sein Gedanke. „Und ich bin froh, dass der Konzern diesem Gedanken gefolgt ist.“ Der neue Bulli könnte ein Prototyp der Transformation vom Verbrenner zur Elektromobilität sein.