Lionel Messi und der unwürdige Barcelona-Abschied

Der Mann hat in Spanien beim FC Barcelona in 20 Jahren Fußball-Geschichte geschrieben und sich und dem Verein eine Menge Meriten, Ehrungen, Auszeichnungen, Titel und Ansehen gebracht. Außerdem hat der Junge aus Argentinien, der mit 17 Jahren bereits in der 1. Mannschaft gespielt hat, viele Millionen verdient (mehr als 200 Millionen Euro) und sich vom Kind aus ärmlichen Verhältnissen zur Symbolfigur für Millionen junger Menschen hochgespielt. So lange wie kaum ein anderer im Fußball-Geschäft, hielt Messi dem Club die Treue und brachte Jahr für Jahr seine Leistungen, die dem Verein 4 Champions-League-Siege und 10 Meisterschaften einbrachten und zum Aushängeschild des spanischen Profifußballs machte. Doch nun, plötzlich und unerwartet, will Lionel Messi den Verein verlassen, ohne allerdings den offiziellen, geraden Weg dafür zu wählen, sondern still und leise hinter dem Rücken der Verantwortlichen. Das ist natürlich ein Skandal, zumal Messi dem Verein alles und noch viel mehr zu verdanken hat. Die spanische Presse schreibt bereits von „Krieg zwischen Messi und Barca“ (El Periodico) und von Verrat und Tyrannei. Unwürdiger kann ein Abschied nach 20 Jahren kaum sein.

„Jetzt wird’s schmutzig!“ titeln einige Boulevardzeitungen bereits auf den Titelseiten, wenn es um das Thema Lionel Messi und FC Barcelona geht. Denn Messi hat aus Frust nach der 2:8 Finalniederlagen in der Champions-League gegen den FC Bayern München still und heimlich seinen ehemaligen Trainer Pep Guardiola angerufen und sich erkundigt, wie es um einen Vereinswechsel zu Manchester City steht – dort, wo Guardiola Trainer ist und welcher in den Jahren 2008-2012 mit Messi zweimal die europäische Fußball-Krone und drei spanische Meisterschaften holte. Pep Guardiola hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gerne an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen will und Messi gerne zu sich holen würde. Angeblich will Man City dem Argentinier trotz seiner 33 Jahre noch einen 3-Jahresvertrag geben und ihn anschließend zum Partner-Verein New York City FC weitergeben. Ob Barcelona seinen Superstar allerdings ziehen lassen würde, steht in den Sternen, denn die Ablösesumme wurde bei unfassbaren 700!!-Mio. Euro festgeschrieben und eine Ausstiegsklausel, die bis Juni eines laufenden Jahres gültig wäre, ist nun abgelaufen. Dennoch pocht Messi darauf, dass diese Klausel wegen Corona-Verzögerungen noch gültig ist. Da steht ein Rechtsstreit offenbar bereits vor den katalanischen Toren. Am Ende heißt es, würde Barcelona nur die geforderten 220 Mio. Ablöse vom neuen Verein Messis verlangen. Ob diesen Betrag aber irgendein Verein zu zahlen bereit ist, bleibt abzuwarten.

Gestern bereits versammelten sich Hunderte Fans von Barca vor dem Stadíon Camp Nou, um gegen den Wechsel von Lionel Messi zu demonstrieren. Sie stürmten den Stadion-Vorplatz und forderten, dass der gegenwärtige Vereinspräsident Bartomeu seinen Hut nehmen solle. Wegen ihm glauben sie, wäre es zum Bruch mit dem argentinischen Star gekommen. Dass sie Messi nicht tatenlos weggehen lassen wollen, kann man an der Anzahl der gewonnenen Titel ablesen. Die Verdienste des 1,70 m kleinen Dribbelkünstlers können sich durchaus sehen lassen: In 731 Pflichtspielen erzielte er 634 Tore und gab 285 Tor-Vorlagen. Er selbst wurde 6 x Weltfußballer, war 6 x Europas Torschützenkönig, 1 x Olympiasieger, 3 x Klubweltmeister, 6 x spanischer Pokalsieger, 10 x Meister und 4 x Gewinner der Champions-League. Diese phänomenale Erfolgsstrecke konnte bis dato niemand toppen. Selbst Christiano Ronaldo liegt da weit hinter ihm. Allerdings liegt die ganz große Zeit bereits hinter dem Argentinier. Sein letzter großer Titel liegt 5 Jahre zurück. Dennoch ist er eine Ikone, ein Denkmal und Idol, wo sich die Verantwortlichen des Vereins ein Bein ausreißen werden, um den Spieler im Baskenland zu halten. Wenn da nicht der Streit mit dem Präsidenten von Barca wäre. Dieser bemüht sich, wie man hört, um einigende Gespräche mit Messi, aber wenn das Tischtuch einmal zerschnitten ist, sieht es schlecht aus. Messis Ego ist stark ausgeprägt, er hat großen sozialen Einfluss und eine Riesen-Lobby bei den Fans. Es ist schade, dass solch eine Ära so enden könnte. Schließlich könnten sich viele Spanier vorstellen, dass Messi auch nach seiner Karriere den spanischen Fußball mit seinem Knw How  bereichert.